Der häufigste Fehler bei der Ausbildungssuche ist kein inhaltlicher, sondern ein zeitlicher. Große Unternehmen besetzen ihre Plätze für den Sommer oft schon im Herbst des Vorjahres — teilweise noch früher. Wer im Frühjahr anfängt zu suchen, bewirbt sich dort auf Plätze, die längst vergeben sind.

Die gute Nachricht: Das gilt nicht überall. Kleine Betriebe und Handwerk entscheiden deutlich später, teils bis kurz vor Ausbildungsbeginn. Der Zeitplan sieht also je nach Zielbetrieb unterschiedlich aus.

Die wichtigste Regel

Rechne rückwärts vom Ausbildungsstart, der fast immer der 1. August oder 1. September ist:

Wo du dich bewirbstBewerbung rausGroßunternehmen, Banken, Versicherungen, öffentlicher Dienst12 bis 18 Monate vorher — also im Sommer bis Herbst des vorletzten JahresMittelständische Betriebe9 bis 12 Monate vorher, meist im HerbstHandwerk und kleine Betriebe6 bis 9 Monate vorher, oft bis ins FrühjahrRestplätze und Nachvermittlungbis kurz vor Ausbildungsbeginn

Für einen Start im August 2027 heißt das konkret: Für Großunternehmen und den öffentlichen Dienst läuft die Bewerbungsphase jetzt, im Spätsommer und Herbst 2026.

Klasse 7 und 8: Orientierung, ohne Druck

Hier geht es nicht um Entscheidungen, sondern um Eindrücke.

  • Am Girls'Day / Boys'Day teilnehmen oder auf eigene Faust einen Tag in einem Betrieb verbringen

  • Bei Angeboten der Berufsorientierung an deiner Schule mitmachen — Potenzialanalysen und Werkstatttage geben oft brauchbare Hinweise

  • Fragen, was Leute in deinem Umfeld eigentlich den ganzen Tag tun. Die meisten Berufe kennt man nur dem Namen nach

Ziel dieser Phase: eine grobe Richtung. Handwerk oder Büro? Mit Menschen oder mit Technik? Mehr braucht es noch nicht.

Klasse 8 und 9: Praktika nutzen

Das Schulpraktikum ist die einzige Gelegenheit, einen Beruf zu erleben, bevor du dich festlegst. Nutze sie nicht für das, was gerade am einfachsten zu organisieren ist.

  • Such dir den Platz selbst. Ein Praktikum in einem Betrieb, der ausbildet, ist bares Geld wert — viele Ausbildungsverträge entstehen genau so.

  • Frag am Ende nach. „Bilden Sie aus? Kann ich mich hier bewerben?" — dieser eine Satz hat schon viele Ausbildungsplätze gesichert.

  • Zweites Praktikum in den Ferien. Freiwillig, aber wirkungsvoll. Wer zwei Berufe von innen gesehen hat, entscheidet anders.

Parallel: Berufsberatung der Agentur für Arbeit an deiner Schule wahrnehmen. Der Termin ist kostenlos, und die Beratenden kennen den regionalen Markt.

Vorletztes Schuljahr: Die Bewerbungsphase

Das ist das entscheidende Jahr. Wenn du 2028 mit der Ausbildung anfangen willst, ist es das Schuljahr 2026/27.

Sommer bis Herbst

  • Berufe auf eine Liste eingrenzen, drei bis fünf reichen

  • Bewerbungsunterlagen erstellen: Lebenslauf, Anschreiben-Grundgerüst, die letzten beiden Zeugnisse

  • Erste Bewerbungen an Großunternehmen und öffentlichen Dienst — hier laufen die Fristen zuerst ab

  • Ausbildungsmessen besuchen; die meisten finden im Herbst statt

Winter

  • Bewerbungen an mittelständische Betriebe

  • Auf Einstellungstests vorbereiten, wenn du dich bei größeren Unternehmen beworben hast

  • Vorstellungsgespräche üben, am besten laut und mit einer anderen Person

Frühjahr

  • Bewerbungen an Handwerk und kleinere Betriebe

  • Zusagen vergleichen, Absagen nachfassen — eine höfliche Rückfrage nach dem Grund bringt gelegentlich etwas

  • Vertrag prüfen, bevor du unterschreibst

Sommer

  • Vertrag unterschrieben? Dann ist die Sache erledigt.

  • Falls nicht: siehe unten, es ist nicht vorbei

Letztes Schuljahr: Falls noch nichts steht

Ohne Platz ins letzte Schuljahr zu gehen ist unangenehm, aber häufig — und der Markt ist nicht zu. Jedes Jahr bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, gerade im Handwerk, in der Gastronomie und in Branchen, die weniger auf der Wunschliste stehen.

  • Nachvermittlung der Agentur für Arbeit — läuft bis in den Herbst hinein, auch nach Ausbildungsbeginn

  • Lehrstellenbörsen von IHK und Handwerkskammer — dort landen genau die Plätze, die kurzfristig frei werden

  • Direkt anrufen. Bei kleinen Betrieben ist ein Anruf oft wirksamer als eine Bewerbung per Formular

  • Nachrücken. Wenn jemand kurzfristig abspringt, muss ein Betrieb schnell nachbesetzen — dann zählt, wer erreichbar ist

  • Plan B einplanen: Einstiegsqualifizierung, ein Berufsvorbereitungsjahr, FSJ oder ein weiteres Schuljahr sind keine verlorene Zeit, wenn du sie gezielt nutzt

Was du parallel sammeln solltest

  • Zeugnisse der letzten beiden Jahre, digital als PDF

  • Nachweise über Praktika, Ehrenamt, Nebenjobs, Kurse

  • Eine seriöse E-Mail-Adresse — Vorname.Nachname, nicht der Spitzname von früher

  • Erreichbarkeit. Mailbox einrichten und rangehen. Betriebe rufen an, und viele versuchen es nicht zweimal

Häufige Fragen

Wann muss die Bewerbung für die Ausbildung raus? Bei Großunternehmen 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn, bei kleineren Betrieben 6 bis 12 Monate. Für einen Start im August 2027 bewirbst du dich bei großen Arbeitgebern also ab Sommer 2026.

Wie viele Bewerbungen sind realistisch? Plane mit 10 bis 20 über die gesamte Phase, mehr in stark nachgefragten Berufen. Qualität schlägt Masse, aber eine einzelne Bewerbung reicht nirgends.

Was, wenn ich keine Ahnung habe, welcher Beruf passt? Dann sind Praktika und die Berufsberatung dran, nicht Bewerbungen. Eine Richtung reicht fürs Erste — Berufe kennenlernen funktioniert schlecht am Schreibtisch.

Ist es zu spät, wenn ich erst im Frühjahr anfange? Für große Arbeitgeber meist ja, für kleine Betriebe und das Handwerk nicht. Dort werden bis in den Sommer hinein Plätze besetzt.

Zählen die Noten? Sie helfen, entscheiden aber selten allein. Praktikumserfahrung im Betrieb, ein glaubwürdiges Interesse am Beruf und ein anständiges Auftreten im Gespräch gleichen viel aus.

Stand: August 2026. Fristen und Abläufe unterscheiden sich je nach Branche und Region — die Berufsberatung der Agentur für Arbeit kennt die Lage vor Ort.